Ich bin verliebt… in meine neue Jacke

Letzten Monat habe ich recht spontan entschieden, dass ich mir meine nächste Jacke selber nähe. Nachdem meine geliebte Outdoorjacke so langsam in die Jahre kommt, der Reißverschluss klemmt, die Klettverschlüsse sich auflösen, Nähte gerissen sind und ich die Jacke schon sehr lange trage, dachte ich mir: eine neue muss her. Ich suchte ein wenig im Internet nach Bildern von Jacken und stieß sehr schnell auf Eve bei schnittchen.com.

Das Schnittmuster war schnell bestellt, bezahlt und als PDF heruntergeladen. Was dann nicht so schnell ging war das Zusammenkleben des Schnittmusters… Aber gut, dafür konnte ich gleich loslegen. 🙂 Am nächsten Tag besorgte ich mir dann in einem günstigen Laden drei Fleecedecken (1,50 x 1,00m) um damit die Probejacke zu nähen. Was im Schnitt leider fehlt sind Taschen. Eine Jacke ohne Taschen ist für mich absolut unpraktisch, deshalb habe ich sie selber ergänzt.

Die Probejacke gefiel mir gut. Nur der Wind war ein Problem, weil die Jacke vorne nur von zwei Druckknöpfen geschlossen wird und somit leicht aufweht, wenn viel Wind geht. Aber dafür ist die Probe ja auch da um solche Dinge zu bemerken und sie dann zu ändern wenn’s an das „richtige“ Werk geht.

Für die „richtige“ Jacke ging ich dann in den Stoffladen meines Vertrauens und kaufte mir wunderschönen Wollstoff (Loden). Bei dieser Jacke gab ich mir dann auch bei der Verarbeitung mehr Mühe und ließ auch das Bügeln der Nähte nicht aus. 😉 Es macht einen riesigen Unterschied und ich finde die Jacke einfach toll!

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Auch die Stoffwahl war die richtige und macht einen extremen Unterschied. In der Fleecejacke habe ich doch gefroren wenn ich mit Pulli und Jacke bei kühleren Temperaturen draußen war (um die 5°C). Die Wolljacke (ebenfalls mit Pulli drunter) hält warm! Auch bei ca. 0°C habe ich bisher nicht gefroren. Sie schützt natürlich nicht so gegen Wind, wie meine Outdoorjacke, aber sie hält überraschend viel „Wetter“ ab.

Außerdem ist die Wolljacke viel schwerer als die Jacke aus Fleece und fliegt deshalb auch bei Wind nicht ständig auf. Ich habe trotzdem drei statt zwei Knöpfen verwendet um sie vorne zu schließen (+ einen weiteren für den Kragen) nur um sicherzugehen.

Insgesamt kann ich das Schnittmuster Eve sehr empfehlen, unter der Voraussetzung, dass man den richtigen Stoff wählt. 😉

Löcher flicken mal anders

Heute zeige ich euch, wie man mit Löchern in T-Shirts auch umgehen kann: indem man sie mit einem Motiv verschönert:

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Ihr kennt das Problem vermutlich alle: Günstig gekaufte T-Shirts weisen schon nach wenigen Wäschen kleine Löcher auf. Es gibt verschieden Theorien wie die Löcher da rein kommen. Mir erscheint es am wahrscheinlichsten, dass die Stoffe keine besonders gute Qualität haben. So oder so, ist es sehr ärgerlich und das Loch war eben nun mal da.

Da ich sowieso die „reverse appliqué“ Technik ausprobieren wollte, die ich beim Surfen entdeckt hatte, nahm ich ein Shirt mit eben so einem Loch. Ich klemmte es in meinen Stickrahmen mit einem passenden Musterstoff darunter und stickte fröhlich drauf los. Das Motiv hatte ich übrigens vorher grob auf Papier entworfen. Als alle Umrisse fertig waren, schnitt ich den dunkelblauen oberen Stoff innerhalb der Motive aus, so dass der Musterstoff darunter zum Vorschein kam. Dann musste ich nur noch auf der Rückseite den Musterstoff kleiner schneiden und versäubern. Fertig war das neue, alte T-Shirt ohne Loch. 🙂

Gemeinsam macht’s mehr Spaß

Dieser Beitrag schwirrt schon länger in meinem Kopf herum. Vor zwei Wochen habe ich einen sehr inspirierenden TED-Talk gesehen in dem es um die längste Studie der Welt ging, die sich mit der Frage nach einem erfüllten Leben beschäftigte. Was brauchen wir Menschen um am Ende unseres Lebens sagen zu können, wir hatten ein erfülltes Leben? Ist es Einfluss, Macht, Ruhm oder Geld? Ihr erahnt die Antwort sicher: Diese Dinge sind es nicht, die uns glücklich machen. Die Antwort war überaschend einfach: Es sind gute Beziehungen zu anderen Menschen, die über Smalltalk hinaus gehen. Wobei Smalltalk auch seine Berechtigung hat. Irgendwie muss man ja mit Unbekannten oder nicht-so-vertrauten Menschen ein Gespräch führen können. 😉

Warum erzähle ich das? Weil ich gemerkt habe, dass Handarbeiten eine wunderbare Möglichkeit bietet mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen oder zu bleiben. Man kann etwas erledigen (Socken stopfen, Jeans flicken) und sich nebenbei unterhalten. Seit gut einem Jahr treffe ich mich ungefähr einmal im Monat mit Freundinnen, die stricken, nähen oder irgendwas anderes machen und wir sitzen zusammen, werkeln und quatschen.

Die Idee kommt nicht von mir sondern ich habe sie mir von meinem Bruder abgeguckt. Als ich von ihm hörte, dass er sich in seinem Garten mit Freunden trifft und sie gemeinsam Rüstungen für ihre Rollenspiele herstellen war ich ganz neidisch, denn ich wohne weit weg und wäre so gern dazu gekommen. Es klang so toll. Und dann dachte ich mir: warum machen wir das nicht auch? Es braucht ja nicht viel. Nur Zeit und Freunde. Es macht so viel Spaß und man lernt immer wieder etwas neues dazu.

Egal ob ihr näht, strickt, malt oder irgendeinen anderen Zeitvertreib habt: Sucht euch Leute, die ihr gern um euch habt und verbringt Zeit zusammen.

Es lohnt sich. 🙂

Bettzeug reparieren

Zwischendrin mal ein Einblick welche kleinen Dinge man reparieren kann, wenn man eine Nähmaschine hat. Ende letzten Jahres ging einer unserer Bettbezüge kaputt, genauer gesagt: der Reißverschluss.

Da ich nicht gern Reißverschlüsse einnähe, habe ich ihn rausgetrennt und stattdessen Knöpfe und Knopflöcher eingenäht. 🙂

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Verarbeitungsmöglichkeiten für alte Stoffe oder Stoffreste

Hier habe ich noch ein paar gesammelte Ideen was man aus Resten oder alten T-Shirts machen kann. Vieles davon spricht mich selber nicht so sehr an, aber der Vollständigkeit halber liste ich es hier mit auf. Vielleicht inspiriert es Euch ja. 🙂

Tipp zum Jeans umnähen

Jeans umnähen ohne diesen dicken Knubbel an den Nähten — es ist genial! Schaut euch die Seite mal an.
http://quilt-knit-run-sew.blogspot.de/2009/05/tutorial-hemming-jeans-quilters.html

Die Bilder sind eigentlich selbsterklärend. Hier trotzdem kurz auf deutsch, wie’s funktioniert: Die Nähte der Jeans werden immer so dick, wenn man sie doppelt umschlägt. In dem Blog wird beschrieben, wie man das verhindern kann.

Dazu macht man unmittelbar links und rechts der Jeansnaht einen kleinen Einschnitt. Dann klappt man die Naht nur einmal um. Den Rest schlägt man wie gewohnt doppelt um. Dann näht man das verkürzte Hosenbein wie immer.

Von außen macht es keinen Unterschied, aber die Nähmaschine und die Nerven werden es einem danken, dass es keine allzu dicke Jeansnaht gibt an der die Nadel hängen bleibt. 😉

Seilkorb aus alten T-Shirts herstellen

Heute mal wieder ein Beitrag zum Thema Resteverwertung. Dieser Beitrag ist gewissermaßen der Vorläufer zu „Wolle aus Stoff machen„. Es schlummerte schon ein Weilchen in meinen Entwürfen und nun konnte ich endlich ein paar Fotos machen. 😉 Ich beschreibe euch hier, wie ihr ohne Spindel oder Spinnrad aus Stoff Schnüre drehen könnt, damit ihr so einen schicken Korb nähen könnt:

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Warum sollte man nicht aus alten Stoffresten Schnüre oder Seile machen? Die Idee kam mir, als ich auf YouTube diverse Videos gesehen habe bei denen es um Überlebenstechniken in der Natur ging. Eine Technik, die mich sehr faszinierte, war die Seilherstellung. Seile braucht man immer, aber was wenn man keines dabei hat? Dann muss man sich selbst eines herstellen mit den Dingen, die in der Natur gerade vorhanden sind.
Wie das geht kann man zum Beispiel in diesem Video gut sehen: „Bowdrill mit Brennesselsehne“

Das hat alles erst mal nichts mit Nähen zu tun. Aber mir kam eine Idee: Warum in die Natur gehen und Pflanzen sammeln, wenn ich zuhause schon faserige Stoffe habe? Jaha, genau. Unsere Stoffreste sind genau das: Faserige Stoffreste. Sie sind ja eigentlich schon lauter kleine Fäden, die nur zu einem Stoffteppich gewebt wurden. Sie haben also genau die Eigenschaften, die man für ein Seil braucht: Sie sind biegsam und strapazierfähig.

Und mit dem fertigen Seil kann man zum Beispiel einen Korb machen. Anleitungen dazu gibt es einige, zum Beispiel auch bei Farbenmix.

Das Seil herstellen
Also nahm ich eines meiner alten T-Shirts, das eigentlich in das Restekissen wandern sollte, weil es ausgewaschen und löchrig war. Dieses T-Shirt schnitt ich in Streifen (Breite ca. 3 cm) und drehte mit je zwei Stoffstreifen ein Seil, so wie man es auch in dem Brennesselvideo sieht. Den Streifen nach rechts verdrehen und links über den zweiten Streifen legen. Den jetzt rechts liegenden Streifen wieder nach rechts eindrehen und links über den anderen Streifen legen. So lang bis die Streifen fast(!) zuende sind.

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Streifen verlängern
Um ein langes Seil zu machen benötigt man weitere Stoffstreifen. Man verdreht je zwei davon wie oben beschrieben bis noch ungefähr 10 cm von einem Streifen übrig sind. An diesem Punkt nimmt man einen neuen Streifen, legt ihn auf die verbliebenen 10 cm und dreht ihn mit nach rechts ein. Dann verfährt man weiter wie bisher. So entsteht ein nahtloser Übergang.

Man sollte beim Verlängern des Seiles darauf achten niemals beide Streifen gleichzeitig zu verlängern, denn sonst wird das Seil an dieser Stelle sehr viel dicker.

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Aus dem Seil wird ein Korb
Wenn man eine gewissen Menge Seil gedreht hat, kann man mit dem Korb beginnen. Ich hatte anfangs 7 Meter Seil. Das hat dann ungefähr für den Boden des Körbchens gereicht. Das klingt jetzt viel, aber das Seildrehen geht echt flott, wenn man erst mal weiß wie es geht und man muss nicht großartig dabei denken. Man kann es beim Fernsehen oder Hörbuch hören nebenbei machen.

Für den Anfang legt man das Seil zu einer Schnecke zurecht und fixiert dies mit einem großen Zickzackstich. Danach näht man die Schnecke größer indem man den Zickzackstich genau zwischen Korbboden und Seil näht, so das der linke Stich den Korbboden und der rechte Stich das Seil erwischt. Wenn man einen farblich passenden Faden hat, muss die Naht nicht mal besonders schön sein, weil sie später kaum auffällt.

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Vom Boden zur Korbwand
Ist der Boden groß genug, kann man beginnen den Korbrand zu nähen. Es geht dabei weiter in Runden um den Boden herum. Die einzige Änderung ist, dass man nun am Seil leicht zieht während man es annäht. Der Korbboden bleibt wie er ist und das Seil wird während des Annähens leicht gezogen. Dadurch entsteht eine Spannung im Stoff und die Korbwand entsteht. Es ist schwer zu beschreiben, probiert es am besten mal selbst aus.

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Das ist auch schon alles an Technik was man für den Korb braucht.

Hat man die Korbwand erst einmal heraus gearbeitet, näht man nun in Runden weiter, bis der Korb hoch genug ist.

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Dann noch das Ende des Seils festnähen und fertig ist der Seilkorb aus 100% recyceltem Material.

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Update vom 4.2.2016: Inzwischen hat der Seilkorb eine super Verwendung als Wollkörbchen bekommen. Claudia hatte die geniale Idee: Mit gezielt eingenähten kleinen Löchern am oberen Rand kann man dort die Wollfäden durchführen und stressfrei stricken.